Menopause - meine Geschichte


Niemals hätte ich vermutet, dass es ausgerechnet mich so heftig erwischt in den Wechseljahren. Nie hatte ich hormonelle Themen, keine Schmerzen, kein PMS, eine eher leichte Blutung, die ich sogar freudig begrüßte, war sie doch etwas Urweibliches für mich.

Und dann kam das Jahr, in dem ich 51 geworden war und die Blutung das erste Mal für 7 Monate ausblieb. Nur ein paar Tage nachdem sie eigentlich hätte auftauchen sollen, begannen die Hitzewallungen. Erst ab und zu. Nach ca. 4 Wochen alle 1-2h tagsüber, auch nachts. Irgendwie habe ich es geschafft, dennoch zwei Jobs durchzuführen, aber Schlafmangel und Dauerstress zehrten. Ich testete in den Monaten alles durch, was naturheilkundlich in all den Jahren meinen Patienten häufig helfen konnte. Schwerpunkt in der Praxis war Frauenheilkunde, wie humorvoll das Leben doch ist. Bei mir half nichts, auch keine D4 Hormoncremes. Nach den 7 Monaten folgten glücklicherweise 5 Monate mit Blutung. Auf einmal alles wieder gut, keine Hitzewallungen, guter Schlaf. Mit Mitte 52 dann spürte ich nach dem erneuten Ausbleiben, das war es jetzt. Und dann ging es wieder ab in mir.

Meine Hitzewallung:
Plötzlich eine leichte Unruhe, die sich schnell steigerte zu einer Art Angst/ Panik aus dem Nichts (Du stehst vor dem Säbelzahntiger und kannst nicht fliehen) für ca. 15 Sekunden, verbunden mit Adrenalinanstieg, Herzklopfen, Stress, dann die Hitze, aufsteigend vom Becken zum Kopf … eine derartige Hitze, das ich sofort alle Kleidung von mir reissen wollte, jede Berührung der Haut nicht auszuhalten. Stell Dir vor, Du stehst angezogen mit Winterkleidung in der 100 Grad Sauna und darfst da 5min. nicht raus und Dich nicht ausziehen. So in etwa fühlt sie sich an, die Wallung. Unerträglich, kurz vorm Platzen. Danach nass von oben bis unten und es folgte Frieren durch die Nässe. Da ich auch noch in einem speziellen Labor arbeite, in dem ich einen Kunststoffoverall trage, ist das dann die Hardcorevariante. Da die Wallungen stündlich und im Labor mehrstündlich auftraten, befand ich mich in einem nicht mehr endenden Dauerstress, auch nachts. Und die Maske kam ja dann in dem Jahr auch noch dazu, die sofort Trigger war für die nächste Wallung.

Jedenfalls bin ich dann zwei Monate später in der Arbeit umgekippt (nach Wochen schlafloser Nächte und Hitzewallungen) und wusste, es geht nun erst mal gar nichts mehr. Es folgten 3 Monate Krankschreibung. Zu Beginn dieser Zeit habe ich mich komplett durchchecken lassen, wollte alles wissen (kannte mich ja eigentlich gut aus) … Hormone, alle wichtigen Blutwerte, Schilddrüse, Neurotransmitter, Gentest. Es folgte die Anwendung von bioidentischen Hormonen (lange habe ich mich geweigert höhere Dosierungen zu nehmen, weil ich es so gelernt hatte, dass es nicht gut ist, zu Resistenzen führt, es war aber die Rettung!) und endlich, endlich 6 Wochen später keine Hitzewallungen mehr. Das war so ein Geschenk, so ein riesengrosses Geschenk. Bisher (7 Monate) habe ich übrigens keinerlei Nebenwirkungen durch die Hormone. Wie gesagt, keine synthetischen, sondern Estradiol und Progesteron, die auch der Körper herstellt und in den Wechseljahren massiv fehlt. Ein Drittel der Frauen hat null Probleme, ein Dritte hat ein paar Symptome und ein Drittel erwischt es leider so richtig schlimm in dieser Zeit.

Leider blieb eine tiefe Erschöpfung und weiterhin massive Schlafprobleme. Nach weiteren Bluttests bestätigte sich meine Vermutung: eine chronische Reaktivierung von Herpesviren incl. Epstein Barr. Bravo, das auch noch. Das Immunsystem war durch den Schlafentzug im Keller. Und es folgte der Therapiebeginn mit Mikroimmuntherapie. Hier braucht es Geduld, Anwendung mind. sechs Monate. Was bin ich froh, dass ich mich auskenne und wusste, was zu untersuchen ist.

Langsam, gaaanz langsam wurde mein Befinden besser. Mein Leben hatte ich komplett heruntergefahren. Praxis geschlossen, keine Freizeitaktivitäten mehr möglich. Dann nach 4 Monaten freute ich mich, dass arbeiten wieder ging, allerdings keine Vollzeit. Wandern geht nun immerhin mit 8km wieder am Wochenende. Noch vor 2 Monaten konnte ich max. 3000 Schritte am Tag gehen, dann war ich fix und fertig. Zu Beginn in den ersten 8 Wochen habe ich nur da gesessen, war kaum in der Lage Essen zu machen oder mich anzuziehen. Diese tiefe Erschöpfung lässt sich kaum beschreiben. Morgens aufzuwachen und sich überhaupt nicht erholt zu fühlen, im Gegenteil sogar schwer krank. Der Körper tut überall weh und fühlt sich permanent an als würde eine Grippe beginnen. Eine Schwäche, die einen in den Boden zieht. Bleischwere Beine. Ein Kopf, der nicht in der Lage ist zu denken. Watte im Kopf. Alles ist zu viel. Den ganzen Tag starke Augenschmerzen wie eine Dauerverkrampfung, 24h, auch nachts. Die grosse Sorge, wird das wieder, bloss nicht hängen lassen, zusammenreissen, weitermachen, Tag für Tag und wenn es nur gaanz langsam ist.

Gerade ist Longcovid SO ein grosses Thema (https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/longcovid-die-langzeitschaeden-von-corona-als-spitze-des-eisbergs-17279196.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE). Dabei ist den Meisten nicht bekannt, dass es in diesem Land bereits seit Jahrzehnten Tausende von Menschen gibt mit Erschöpfung durch Herpesviren, Borreliose, nach Fluorochinolonen (Antitbiotika), nach Grippe, nach Magen-Darminfekt, nach Auslandsaufenthalt, nach Medikamenteneinnahme und damit leben müssen. Bisher hat sich kaum jemand darum gekümmert bzw. Klassiker war, dass man beim Arzt nicht mal ernst genommen wurde. Diese Menschen fallen durch das Raster. Die Schulmedizin hat keine Lösung, daher ignoriert sie oder schiebt in die Psychoecke. Mitochondriopathie, welcher Arzt kennt das überhaupt? Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren und vegetieren vor sich hin. Es ist schlimm. Wer keine Familie hat, die sich um ihn kümmert, ist arm dran. Hier wäre grosser Forschungsbedarf. Ich befürchte, kein Interesse, weil nicht lukrativ genug. Ich hoffe aber, dass sich nun doch mal etwas tut ...

Genauso im Bereich der Hormone. Weshalb trifft es ein Drittel der Frauen so heftig? Wo liegt die Ursache? Was ist da los in der Physiologie? Es betrifft Tausende von Frauen. Und es müssten viel mehr Ärzte offen sein für die Therapie mit bioidentischen Hormonen und diese anwenden, weil sie so eine grosse Hilfe sind. Dr. Lee aus Amerika hat diese Methode hier rübergebracht und immer noch ist sie nicht angekommen in den meisten Praxen. 

In diesem Kontext danke ich sehr meinem Allgemeinarzt Dr. S. in Erlangen, der von Anfang an Verständnis gezeigt hat und vor allem Mitgefühl. Das allein hat so gut getan. Der sehr ausführliche Blutuntersuchungen durchführte und nach einer Ursache suchte. Es gibt nur wenige Ärzte seiner Art. Durch ihn wurde ich auch mit den bioidentischen Hormonen versorgt. Er weiss, dass ich eine Ausbildung als Heilpraktikerin habe und hat keine Probleme, wenn ich mein Wissen einbringe.

Versuchen Sie mal einen Frauenarzt zu finden, der einen Hormonstatus im Blut macht und keine synthetischen Hormone verschreiben will, sich also mit bioidentischen Hormonen wirklich wirklich auskennt, rar gesät in Deutschland - hier empfehle ich das Buch: Woman on Fire von Dr. med. Sheila de Liz.

Danke, dass ich nicht umherirren musste wie so viele andere Frauen in diesem Land, die jahrelang! nur auf Ärzte treffen, die Antidepressiva verschreiben und in die Psychoecke schieben, die nicht mal richtig hinhören. Natürlich geht es der Psyche nicht gut, wenn man so erschöpft ist. Die Ursache aber ist nicht die Psyche, das habe ich x fach in meiner Praxis erlebt. Ganz häufig hängen psychische Symptome mit Vitalstoffmängeln (u.a. Aminosäuren, der Trend vegan ist nicht unbedingt optimal, B-Vitamine, Magnesium usw.) zusammen und einem kranken Verdauungssystem. Und das Hormonsystem ist natürlich auch wichtig, incl. Schilddrüse und Nebennieren.

Gerne hätte ich ein Knöpfchen, das frau drücken kann und das Gegenüber (häufig Männer) dürfte für eine Woche mal die eigene Symptomatik erleben. Danach würden wir uns wiedersehen und ich würde fragen: Na? Und? Antidepressiva oder lieber Ursachensuche? Vielen fehlt leider völlig Verständnis und Empathie.

Nun geht es langsam weiter aufwärts. Alles wird gut!